Öcher Kengerzoch

66 Jahre – Öcher Kengerzoch

Der Höhepunkt im Aachener Kinderkarneval ist wohl der Kinderkostümzug am Tulpensonntag, an dem der AKiKascan-05-09-2016-13-20-seite-1 einen wesentlichen Beitrag in Bezug auf die Organisation, Moderation und Begrüßung des Oberbürgermeisters und des „großen Prinzen der Stadt Aachen“ am Elisenbrunnen durch die Hauptperson des Tages – dem Märchenprinzenprinzen – leistet. Darüber hinaus bereichert er durch die Teilnahme seiner liebevoll gestalteten, traditionellen Prunkwagen für Märchenprinz, Hofstaat, Garde und durch die Kutsche des Tanzpaares am Ende des Zuges dieses einzigartige Ereignis.

Initiator eines kostümierten Kinderzuges am Ende einer jeden Session war wohl ohne Zweifel Jaques Königstein (1897 – 1971). Seiner Idee zur Folge fand bereits am 9. Februar 1937 ein Vorbeimarsch kostümierter Aachener Kinder und Jugendlicher an dem amtierenden Aachener Karnevalsprinzen Otto I (Schmitz) statt. Dieses karnevalistische Ereignis war nicht nur in Aachen neu, sondern überhaupt in Deutschland. Bereits ein Jahr später am 27.Februar 1938 zog dann der erste, eigenständige Kinderkostümzug durch die Straßen von Aachen. scan-05-09-2016-13-20-seite-5Der Reichssender Köln sendete noch am gleichen Nachmittag um 16.00 Uhr einen Bericht über das närrische Treiben der Aachener „Ströpp“. Zwar gab es einen Kinderzug noch mal im Jahr darauf, aber wie so viele karnevalistische Aktivitäten ruhte auch dieser kindgerechte Brauch im Karneval für die Dauer des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg war es dann wieder Jacques Königstein, der 1950 die Kinder und Jugendlichen der Stadt aufrief, sich wie bereits vor dem Krieg am Karnevalssonntag zu kostümieren und zu einem Karnevalsumzug zu versammeln. Der Sonntag an den närrischen Tagen sollte den Kindern gehören. Ein bunter Zug mit kostümierten Aachener Kinder zog von Matthiashofstrasse zum Elisenbrunnen. Mit der gleichzeitigen Gründung des Ausschusses Aachener Kinderkarneval (AKiKa) als Unterausschuss des FestAusschusses Aachener Karneval (AAK) nahm aber erst die Erfolgsstory „Öcher Kengerzoch“ seinen organisierten Lauf. In dem damaligen Leiter des Kur- und Werbeamtes der Stadt Aachen Dr. Fritz Velz … fand Jacques Königstein einen Förderer und scan-05-09-2016-13-34-seite-11Organisator, wodurch seine Idee eines kindgerechten Karnevals mit Kinderkostümzug in Aachen verwirklicht werden konnte. Der erste offizielle „Öcher Kengerzoch“ fand im Jahre 1951 mit seinem ersten Kinderprinzen Rolf I (Pirnay …) statt. In echter kindlicher Freude und in bunter Farbenpracht erlebten die Aachener, aber auch viele Besucher aus dem Umland, aus Holland und Belgien einen Triumphzug des Öcher Fastellovends. Unter dem Motto des Kinderprinzen „Es war einmal….“ zogen über eine Stunde lang Aachener Kinder und Jugendliche in bunten Kostümen auf Wagen und in Fußgruppen am großen Prinzen Hanns-Rolf I (Kalden) und den Aachener Karnevalsfunktionären vorbei und ließen ihre jugendliche Begeisterung von Wochenschauen und Rundfunkreportern für die Zeitgeschichte einfangen.

scan-05-09-2016-13-44-seite-23Heute nehmen rund 120 Gruppen mit ihren bunten Kostümen und Uniformen am Kinderzug teil. Dabei sind es nicht nur die Nachwuchsgruppen der Karnevalsvereine, die teilnehmen. Rund die Hälfte der Gruppen sind Schulen jeglicher Schulform von der Förderschule bis hin zu den Gymnasien, Jugendorganisationen, Kindertagesstätten sowie private Gruppen bestehend aus Eltern und Kindern mit ihren Verwandten und Freunden, aber auch Musikkapellen. Sie alle sorgen für ein kunterbuntes Bild auf den Straßen am Karnevalssonntag.

Bereits zur Adventszeit, wenn manche noch gar nicht an Karneval denken und die ersten Plätzchen für das bevorstehende Weihnachtsfest noch gebacken werden, beginnen in Schulen und anderen Kindergruppen gemeinsam mit Erwachsenen die Vorbereitungen für die Teilnahme am Kinderzug. Es werden Kostüme entworfen, die dem Motto des amtierenden Kinderprinzen oder einem aktuellen Bedürfnis der Gruppen entsprechen, Termine zum Basteln der Kostüme organisiert, Schilder bemalt, Wagen geschmückt und und und. Spricht man mit engagierten Lehrkräften in den einzelnen Schulen, so sehen scan-05-09-2016-13-44-seite-18selbst die größten „Anti-Karnevalisten“ in der Vorbereitung auf den Kinderzug mit motivierten Schüler und Schülerinnen sowie Eltern eine Bereicherung für die Schulgemeinschaft. Man trifft sich gemeinsam außerhalb der Schulzeit, kommuniziert, entwirft, stimmt ab, organisiert in entspannter Atmosphäre und hat ein gemeinsames Ziel vor Augen – die Teilnahme am Kinderkarnevalzug mit der Präsentation der eigenen Schule. So fördert Karneval nicht nur die Brauchtumspflege, sondern auch wichtige fächerübergreifende Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen in Bezug auf Selbstwert, Engagement, Organisationsfähigkeit, Sozialbewusstsein, gegenseitige Unterstützung, Rücksichtnahme, Mobilität usw. beim gemeinsamen Handeln. Schauen Kinder und Eltern mit Migrations- bzw. Flüchtlingshintergrund dem Treiben zunächst noch etwas distanziert zu, so werden sie doch schnell in das lockere und gelöste Treiben bei den Vorbereitungen zum Kinderkarnevalszug einbezogen, lernen die Kultur und die Werte der Region, in der sie leben, kennen, was zwangsläufig zu einer Integration der neuen Mitbürger in unserer Stadt führt. Dass Karneval wirklich auch Integration bedeutet, zeigt sich dann besonders, wenn am Kinderzug die Schulen mit zahlreichen Schüler und Schülerinnen sowie deren Eltern unterschiedlicher Hautfarben, Religionszugehörigkeiten und Herkunft teilnehmen, gemeinsam Freude haben und unzähligen Zuschauern Alaaf entgegenrufen.

Der „Öcher Kengerzoch“ wäre jedoch keine Erfolgsgeschichte geworden, wären da nicht engagierte Männer scan-05-09-2016-13-44-seite-21gewesen, die ehrenamtlich die verantwortungsvolle Aufgabe der Organisation des Kinderzuges übernommen hätten und heute gemeinsam mit dem Aachener Ordnungsamt und der Polizei für die Sicherheit der „kleinen Öcher Jecken“ auf ihrem karnevalistischen Weg durch Aachens Straßen Sorge tragen würden. Wurde bis 1963 der Kinderzug noch von den Leitern des Ausschusses Aachener Kinderkarneval mit Unterstützung ausgesuchter Idealisten organisiert, so wurde ab 1963 Hans Walbert als Vertreter der Jugendverbände im Akika als 1. offizieller Zugleiter des Aachener Kinderkarnevals bestellt. 1988 wurde er von Bernd Oligschläger abgelöst, der dieses Amt mit viel Engagement bis 2008 bekleidete. 2009 übernahm der heutige AAK Präsident Frank Prömpeler nach zweijähriger „Azubi-Zeit“ bei Bernd Oligschläger die Leitung des Kinderzuges.  Seit 2016 organisiert nun Dirk Engels den „Öcher Kengerzoch“ und führt ihn gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helfern mit Tradition in eine mediatisierte Zukunft.

Der „Öcher Kengerzoch“  ist und bleibt eine Marke im Öcher Fastellovent, den die Öcher bis heute im Gedenken an das märchenhafte Motto des ersten Kinderprinzen Rolf I (Pirnay …) „Es war einmal….“ auch gerne „d`r Märchenzoch met d`r Märchenprenz“ nennen. In seiner Konzeption findet er fast nirgendwo seines gleichen und viele karnevalistische Hochburgen in Deutschland beneiden uns um dieses einzigartige Ereignis im Aachener Kinderkarneval.

Zugweg17

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